BLUTZUCKER – WIE HOCH DÜRFEN DIE WERTE SEIN?

BLUTZUCKER – WIE HOCH DÜRFEN DIE WERTE SEIN?


Die Blutzuckerwerte geben den Zuckergehalt des Blutes an. Er verändert sich im Laufe des Tages, abhängig von der Nahrungsaufnahme. Nach dem Essen steigen die Blutzuckerwerte an, am Morgen nach dem Aufstehen sind sie am niedrigsten. Bei manchen Erkrankungen ist die Regulation des Blutzuckerspiegels gestört. Hier stelle ich euch die wichtigsten Fakten zum Blutzucker vor und zeige Euch wie ihr Eure Werte bewerten könnt.

WAS SIND BLUTZUCKERWERTE?


Durch den Blutzucker wird die Energieversorgung der Zellen sichergestellt. Die mit der Nahrung aufgenommenen Kohlenhydrate gelangen in den Darm, werden dort in kleinere Zuckermoleküle aufgespalten und ins Blut aufgenommen. Ein von der Bauchspeicheldrüse produziertes Hormon, das Insulin, sorgt dafür, dass der Zucker aus dem Blut in die Zellen aufgenommen wird. Er ist der wichtigste Energielieferant für die Zellen, gewissermaßen ihr "Treibstoff".

 

Menschen, deren Bauchspeicheldrüse nicht genügend Insulin produziert, leiden unter der sogenannten Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Ihr Blutzuckerspiegel ist meistens zu hoch. Das kann auf Dauer die Blutgefäße und Organe schädigen. Gleichzeitig herrscht in den Zellen ein Energiemangel, weil der Zucker nicht in die Zellen geschleust werden kann.

 

Die Blutzuckerwerte – also die Konzentration der Glukose im Blut – lassen sich in zwei Einheiten angeben: "Milligramm pro Deziliter" (mg/dl) oder "Millimol pro Liter" (mmol/l). Mmol/l ist die international am weitesten verbreitete Einheit. Allerdings halten zum Beispiel auch die USA an der Einheit mg/dl fest.

Die Angabe mg/dl bezieht sich auf das Gewicht der gelösten Zuckerteilchen pro Volumen. Die Angabe mmol/l berechnet die Anzahl der gelösten Zuckerteilchen – also die Stoffmenge – pro Volumen.

Wann bestimmt man die Blutzuckerwerte?


Der Blutzuckerwert wird bei verschiedene Fragestellungen bestimmt:

  • um eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) festzustellen
  • um den Blutzuckerspiegel bei bekanntem Diabetes mellitus zu kontrollieren
  • um die Therapie bei Diabetikern zu kontrollieren und anzupassen
  • jährlich bei Personen, die ein höheres Risiko für Diabetes haben
  • bei Beschwerden, die auf einen Diabetes hinweisen (Gewichtsverlust, Durst, häufiges Wasserlassen, Leistungsknick)
  • bei Schwangeren und Neugeborenen
  • bei Verdacht auf Unterzucker oder Überzucker
  • bei Bewusstlosigkeit ohne erklärbare Ursache
  • bei Fehl- oder Mangelernährung
  • bei bekannten Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels (z.B. durch Enzymmangel)

Der Blutzuckerwert wird meist am Morgen bestimmt, bevor der Patient etwas gegessen hat (Nüchtern-Blutzucker). Durch einen Stich in den Finger oder das Ohrläppchen wird ein Tropfen Blut gewonnen und auf ein kleines Stäbchen aufgetragen. Das Stäbchen wiederum wird in ein Blutzuckermessgerät gesteckt. Nach etwa einer halben Minute zeigt das Gerät dann den Zuckergehalt im Blut an. Der Blutzuckerwert kann aber auch im Rahmen einer normalen Blutabnahme bestimmt werden.

Blutzuckerwerte im Überblick


Ziel ist es (bei Abweichungen) , den Blutzuckerspiegel den Werten von Stoffwechselgesunden anzunähern. Bei einem gesunden Erwachsenen liegt der Blutzucker nüchtern – also nach 8 bis 10 Stunden ohne Nahrung – meist unter 100 mg/dl bzw. 5,6 mmol/l. Zwei Stunden nach einer Mahlzeit liegt der Wert meist unter 140 mg/dl (7,8 mmol/l).

 

Ein Diabetes liegt vor, wenn der Blutzucker nüchtern bei 126 mg/dl (7,0 mmol/l) oder höher oder zu einem beliebigen Zeitpunkt (z.B. nach dem Essen) über 200 mg/dl (11,1 mmol/l) liegt.

 

Ein Nüchternwert zwischen 100 und 125 mg/dl (5,6 bis 6,9 mmol/l) weist auf ein Typ-2-Diabetes-Vorstadium (Prädiabetes) hin. Menschen, bei denen Nüchternwerte in diesem Bereich gemessen werden, können das Auftreten von Diabetes verhindern, wenn sie Risikofaktoren für Diabetes in ihrem Leben identifizieren und etwas tun, um sie zu abzubauen.

 

Blutzuckerwerte bei gesunden Menschen:

  • nüchtern: unter 100 mg/dl (5,6 mmol/l)
  • zu einem beliebigen Zeitpunkt nach einer Mahlzeit: unter 140 mg/dl (7,8 mmol/l)
  • HbA1c: zwischen 4,5 und 5,7%

Blutzuckerwerte bei Menschen mit Diabetes:

  • nüchtern: 126 mg/dl (7,0 mmol/l) oder höher
  • zu einem beliebigen Zeitpunkt nach einer Mahlzeit: über 200 mg/dl (11,1 mmol/l)
  • HbA1c: höher als 6,5%

Blutzuckerwerte bei Prädiabetes:

  • nüchtern: zwischen 100 und 125 mg/dl (5,6 bis 6,9 mmol/l)
  • zu einem beliebigen Zeitpunkt nach einer Mahlzeit: 140 bis 199 mg/dl (7,8 bis 11 mmol/l)
  • HbA1c: zwischen 5,7 und 6,5%

Wann sind die Blutzuckerwerte zu niedrig?


In folgenden Fällen finden sind die Blutzuckerwerte zu niedrig:

  • Überdosierung des Insulins während der Diabetestherapie
  • Überproduktion von Insulin bei Tumoren der Bauchspeicheldrüse (z.B. Insulinom)
  • Störungen des Hormonhaushalts durch eine Unterfunktion der Hirnanhangsdrüse, der Schilddrüse oder der Nebennierenrinde
  • nach übermäßiger körperlicher Arbeit ohne ausreichende Nahrungszufuhr
  • Mangelernährung, zum Beispiel bei Alkoholikern, nach übermäßigem Fasten oder bei Nahrungsverweigerung (Anorexia nervosa)
  • schwerer Leberschaden, zum Beispiel Leberzirrhose
  • nach Alkoholgenuss auf nüchternen Magen

 

Ein verminderter Blutzucker führt zunächst zu Hunger, Schwindel, Müdigkeit und Schweißausbrüchen. Wird weiterhin kein Zucker zugeführt, kann es zu Krampfanfällen und zum Kreislaufkollaps bis hin zum Schock oder Tod kommen.

 

Menschen mit einer länger bestehenden Diabeteserkrankung haben bei Unterzucker oftmals nur wenige oder gar keine typischen Symptome und können deshalb nicht rechtzeitig gegensteuern. Sie müssen daher regelmäßig ihre Blutzuckerwerte kontrollieren, vor allem wenn sie vermehrt körperlich aktiv sind (etwa beim Sport).

Wann sind die Blutzuckerwerte zu hoch?


Erhöhte Blutzuckerspiegel können folgende Ursachen haben:

  • Diabetes mellitus
  • Schwangerschaftsdiabetes
  • Hormonstörungen durch Tumoren im Nebennierenmark oder Tumoren der Hirnanhangsdrüse
  • Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse
  • seltene Erbkrankheiten
  • als Nebenwirkung bestimmter Medikamente

Bei erhöhten Blutzuckerwerten treten häufig ein Durstgefühl, Sehstörungen und ein vermehrter Harndrang auf. Auch besteht die Gefahr, dass ein lebensbedrohendes Koma eintritt. Langfristig schädigt ein erhöhter Blutzucker die Gefäße. Die Folgen können Arteriosklerose, Nierenschwäche, Schlaganfall und der Verlust der Sehkraft sein. Auch schwere Gewebeschäden sind möglich, beispielsweise an den Unterschenkeln und Füßen ("diabetischer Fuß").

Was tun bei veränderten Blutzuckerwerten?


Dass der Blutzucker gelegentlich etwas unter oder über dem Normwert liegt, ist keine Seltenheit. Das hängt dann mit der Nahrungszufuhr, der körperlichen Aktivität oder möglichen Infektionen zusammen. Dennoch sollte ein aus der Norm fallender Blutzuckerwert stets nachkontrolliert werden. Gegebenenfalls müssen weitere Werte bestimmt werden, die den Verdacht auf einen Diabetes mellitus erhärten können. In einem solchen Fall wendet man sich an einen Diabetologen (auf Diabetes spezialisierter Facharzt für innere Medizin). Darüber hinaus wird der Hausarzt die Blutzuckerwerte bei einem gestörten Zuckerstoffwechsel engmaschig kontrollieren.

Die richtige Ernährung


Für Typ 2 Diabetiker ist das Thema „richtig essen“ ein weiterer wichtiger Einflussfaktor auf den Behandlungserfolg. Mit einer diabetesgerechten Ernährung legt man nicht nur die Grundlage für eine Diabetes-Behandlung, sondern verhindern auch langfristige Folgeerkrankungen. Es kann für dich als Diabetiker deshalb wichtig sein, bisherige Strukturen und Gewohnheiten rund ums Essen zu überdenken und durch ein neues, gesundes Essverhalten zu ersetzen. Lass dich sich deshalb bei Ihrem Arzt oder in unserer Praxis ausführlich beraten.

 

Bei vielen Typ 2 Diabetikern geht es bei der Ernährung auch um das Thema Abnehmen. Ein gesundes Körpergewicht verbessert nicht nur Ihre Blutzuckerwerte, sondern auch Ihren Blutdruck und die Blutfettwerte. Deshalb ist gerade für übergewichtige Menschen mit Diabetes Typ 2 eine ausgewogene Ernährung wichtiger Teil der Behandlung. Insbesondere versteckte Fallen lauern in Wurst, Fleisch, Käse, Saucen, Fertiggerichten, Süßigkeiten und Kuchen oder Gebäck, die du im Auge behalten, aber jedoch nicht gänzliche aus deinem individuellen Ernährungsplan streichen solltest (mit Bedacht verzehren). Es geht bei einer diabetesgerechten Ernährung nicht um strikte Gebote oder Verbote, sondern vielmehr darum, sich bewusst zu machen, welches Essverhalten und welche Nahrungsmittel deine Gesundheit unterstützen und diese in Ihren Alltag zu integrieren.

 

Die Auswahl und die richtige Menge der Produkte ist abhängig von verschiedenen Faktoren. Dabei sind der eigene Energiebedarf, das Alter und das Geschlecht ausschlaggebend. So hast du im Allgemeinen einen höheren Energiebedarf, wenn du viel Sport treibst und einen geringeren Energieverbrauch, wenn du überwiegend sitzenden oder stehenden Tätigkeiten nachgehst. Dabei gilt: Frisches Obst, Gemüse und Salate, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Reis, Nudeln oder fettarme Milchprodukte sind die Grundlagen einer richtigen Ernährung. Doch warum?

Gemüse, Hülsenfrüchte & Kartoffeln

Beim Verzehr von Gemüse gibt es generell keine Beschränkungen, da Gemüse und Salate keinen nennenswerten Anteil an Zucker besitzen. Hülsenfrüchte und Kartoffeln enthalten viel Stärke, Wasser und Ballaststoffe. Dadurch steigt der Blutzucker nur langsam an.

 

Obst & Früchte

Obst und Früchte enthalten viel Fruchtzucker und erhöhen damit den Blutzuckerspiegel. Gleichzeitig enthalten sie viele Ballaststoffe, die den Blutzuckeranstieg wiederrum ausbremsen. Bei Obst und Früchten solltest du darauf achten, mehrere kleine Portionen über den Tag zu verteilen, um den Blutzuckeranstieg flacher zu halten.

 

Getreide & Getreideprodukte

Getreideprodukte sollten in Ihrem Speiseplan täglich vorkommen. Dabei ist besonders zu vermerken, dass Vollkorn-Getreideprodukte lange sättigen. Sie enthalten komplexe Kohlenhydrate (Stärke), sodass die vielen Ballaststoffe den Anstieg des Blutzuckers verringern.

 

Milch & Milchprodukte

Milch und Naturjoghurt enthalten Milchzucker und erhöhen somit den Blutzucker. Deshalb solltest du darauf achten, Milch nur über den Tag verteilt in kleinen Portionen zu dir zu nehmen. Magerquark und Käse hingegen enthalten keine nennenswerte Menge an Zucker und können bedenkenlos verzehrt werden.

 

Fleisch & Eier

Bei Fleisch und Eiern ist zu beachten, dass diese keinen Einfluss auf den Blutzuckerwert haben. Bei paniertem Fleisch kann der Blutzuckerwert allerdings durch die Panade ansteigen.

 

Fisch & Meeresfrüchte

Beim Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten gilt dasselbe wie bei der Kategorie „Fleisch & Eier“. Achte beim Verzehr von paniertem Fisch darauf, dass die Panade einen Einfluss auf den Blutzuckerwert haben kann.

 

Süß & Salzig

Wie auch bei der normalen gesunden Ernährung gilt: Alle Genussprodukte enthalten viel Zucker und erhöhen somit den Blutzucker. Um das zu vermeiden, gibt es einiges zu beachten: Bei Schokolade, Torten und anderen Süßigkeiten, die einen hohen Fettanteil besitzen, ist der Blutzuckeranstieg langsamer, dafür jedoch langwieriger. Salzige Genussprodukte lassen den Blutzucker allgemein ansteigen. Esse deshalb nur kleine Portionen, um einen rasanten Blutzuckeranstieg zu vermeiden. Bei einer Unterzuckerung empfiehlt es sich, Süßigkeiten ohne Fettanteil zu sich zu nehmen, da diese den Blutzuckerwert rasant ansteigen lassen (z. B. Gummibärchen).

 

Getränke

Um den täglichen Flüssigkeitsbedarf zu decken solltest du vorwiegend auf Mineralwasser oder ungesüßte Teesorten zurückgreifen. Zuckerhaltige Getränke sollten hingegen vermieden oder nur eingeschränkt konsumiert werden. Bei Säften ist es ratsam auf 100 % Fruchtgehalt zu achten. Bei Fruchtnektar und Fruchtkonzentraten ist der Zuckergehalt häufig sehr hoch. Auch zuckerhaltige Soft-Getränke sollten vermieden bzw. nur im Falle einer Unterzuckerung zum Einsatz kommen. Soft-Getränke mit Süßstoffen haben keinen Einfluss auf den Blutzuckerwert. Tee oder Kaffee können bedenkenlos ungesüßt oder mit Süßstoff verzehrt werden.

 

Alkohol

Da bei dem Verzehr von Alkohol vermehrt die Gefahr einer Unterzuckerung besteht, ist es ratsam vor dem ersten Konsum – vor allem bei einem neu diagnostizierten Diabetes mellitus, den Rat eines Arztes einzuholen. Es kann viele Stunden nach dem Verzehr noch zu schweren Unterzuckerungen kommen. Generell sollte Alkohol während der Mahlzeiten und in Maßen konsumiert werden, denn der Energiegehalt ist annähernd so hoch wie der von Fett. Durch die Kombination mit einer Mahlzeit wirkt man einer Hypoglykämie entgegen.

TIPPS UND EMPFEHLUNGEN


Bei chronischen Erkrankungen, wie Diabetes mellitus, kann es schnell zur einer Unterversorgung an wichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen kommen. Sie sind an vielen Vorgängen im Körper beteiligt und können somit zu einem verbesserten Stoffwechsel, einer besseren Wundheilung und zur Unterstützung des Zellschutzes (vor schädlichen freien Radikalen) helfen. Daher ist es oftmals ratsam diese zusätzlichen Mengen über Nahrungsergänzungsmittel aufzunehmen – spreche dazu auch mit deinem Arzt bzw. Ihrer Ärztin oder lass dich in meiner Praxis beraten.

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