AUTOPHAGIE – SELBSTREINIGUNG MITTELS GESTEUERTER ERNÄHRUNG ODER FASTEN

AUTOPHAGIE – SELBSTREINIGUNG MITTELS GESTEUERTER ERNÄHRUNG ODER FASTEN


In der Natur geht nichts verloren: Sowohl für Lebewesen als auch für die gesamte Biosphäre sind Prozesse charakteristisch, bei denen ein großer Teil der Ausgangsstoffe wieder zurückgewonnen wird. Ein solches Regulativ der menschlichen Zelle ist die Autophagie – ein Recyclingprogramm, das es ihr ermöglicht, beschädigte oder falsch gefaltete Proteine bis hin zu ganzen Organellen abzubauen und diese anschließend wieder zu verwerten.

 

 

Autophagie? Jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde knabbern wir ein klein wenig an uns herum. Oder besser gesagt: Die Zellen unseres Körpers tun es an sich selbst. Der skurril erscheinende Prozess ist eine Art mikroskopischer Selbst-Kannibalismus. Alle machen es – von der simplen Hefezelle bis zum hoch komplexen Homo sapiens.

Autophagie gelingt nur ohne ständiges Snacken


Die Autophagie ist eine elementare Funktion. Sie hält Zellen länger jung. Doch das klappt aber nur, wenn wir uns mit maximal zwei Mahlzeiten täglich begnügen. Besser mit nur einer. Ohne irgendwelche Snacks zwischendurch. Warum ist das so?

 

Normalerweise schlägt die Stunde der Autophagie, wenn Zellen gestresst sind. Bei Nahrungsmangel fahren sie den Prozess hoch und bauen nicht benötigte Bestandteile ab, um Energie freizusetzen. Diese nutzen sie anschließend, um dringend gebrauchte Moleküle herzustellen. Doch auch andere Situationen lösen die Selbstverdauung aus: Steckt eine Zelle voller Müll, deformierter oder beschädigter Proteine, so entsorgt sie diese. Klassisches Recycling also.

Im Mikroskop kann man die Autophagie genau verfolgen. Was sieht man? In einem ersten Schritt schließt sich eine Hülle um jenen Teil der „Zell-Suppe“, der gerade auf der Speisekarte steht. Die Struktur wächst heran zu einem sogenannten Autophagosom, das mit einem Säckchen voller Enzyme fusioniert, dem Lysosom. Die Enzyme zersetzen den Abfall in seine Bausteine – Eiweiße zum Beispiel in Aminosäuren. Das recycelte Material kann nun für die Produktion dringend gebrauchter Nährstoffe oder anderer Moleküle für den Zellstoffwechsel verwendet werden.

 

In Extremsituationen, zum Beispiel bei schwerwiegenden Zellschädigungen, kann dann auch der sogenannte Zelltod eingeleitet werden. Autophagie ist damit ein Mechanismus zur Überlebenssicherung der einzelnen Zelle, zugleich aber auch ein Selbstmord-Programm für geschädigte Zellen, um das Überleben eines multizellulären Organismus zu sichern.

 

 

Die Autophagie ist also ein elementarer Bestandteil der zellulären Qualitätskontrolle und essenziell für die Aufrechterhaltung der Funktionalität einer Zelle. Der Abbau von fehlgefalteten Proteinen oder geschädigten Organellen verhindert negative Auswirkungen auf die Zellvorgänge und stellt Moleküle wie Aminosäuren, Fettsäuren oder Kohlenhydrate der Zelle wieder für den Anabolismus zur Verfügung. 

Autophagie durch Insulin gehemmt


Der konstant erhöhte Insulinspiegel durch zu häufiges Essen hemmt nachweislich die. Insulin fördert die Speicherung von Nährstoffen in körpereigene Energiereserven. Bei dauernder Insulinausschüttung erhält der Körper ständig das Signal, dass ausreichend Energie von außen zugeführt wird und somit keine Selbstverdauung notwendig ist. Die Energiereserven werden nicht angezapft, sondern bleiben erhalten. Es kommt zur Anhäufung von Schadstoffen, was umgangssprachlich oft als „Verschlackung“ bezeichnet wird und gleichzeitig besteht ein sehr hohes Risiko für Übergewicht.

 

Das häufige Essen in kurzen Abständen ist aus Sicht der Evolution völlig unnatürlich. Unser Körper ist erst seit relativ kurzer Zeit in der Menschheitsentwicklung damit konfrontiert. Der Mensch als Jäger und Sammler hatte immer kürzere oder längere Perioden des Nichtessens, in denen er oft viele Kilometer zurücklegen musste, um wieder auf Nahrung zu stoßen. Unser Stoffwechsel und Verdauungsapparat ist auf diese Lebensweise ausgerichtet – Bewegung kombiniert mit immer wiederkehrenden Phasen des Nichtessens.

 

Unter diesen Umständen kann die Selbstreinigung vollzogen werden und „Verschlackung“ sowie Übergewicht haben keine Chance. Man nimmt an, dass der Prozess der Autophagie ab einem Zeitraum von etwa 17 Stunden des Kalorienverzichts beginnt, genau kann man es allerdings nach derzeitigem Stand der Forschung nicht sagen.

 

Für die Autophagie gilt also: Der Mensch sollte die Zahl der täglichen Mahlzeiten auf ein Minimum reduzieren, wie dies z.B. beim Fasten geschieht. Sechsmal am Tag zu essen ist also in diesem Punkt vollkommen unphysiologisch. Die Zellen brauchen Zeit, um sich zu säubern und ihren Abfall zu recyceln. Und die fehlt ihnen, wenn der Körper ständig Insulin ausschüttet und mit Verdauung beschäftigt ist. Einmal am Tag sollte man den Hunger richtig spüren. Essen wir also lieber, wenn wir wirklich Hunger haben! 

 

Wer also über längere Zeit nichts isst und dem Organismus keinerlei Nährstoffe zur Verfügung stellt, zwingt ihn in den Zustand der Autophagie, pusht die Zellregeneration und -erneuerung und bewirkt damit eine effektive Zellverjüngung. Allerdings reicht ein Verzicht für wenige Stunden (etwa weil man das Frühstück oder Mittagessen ausfallen lässt) bei weitem nicht aus.

 

Denn erst, wenn ein konstant niedriger Insulinspiegel dem Organismus signalisiert, dass er nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird, greift er auf die körpereigenen Reserven zurück, zehrt zunächst vom Glukosespeicher der Muskeln und dann von den Fettdepots. Erst zuletzt werden die Zellstrukturen auf mögliche Reserven untersucht und die schädlichen Strukturen recycelt. Bis dahin vergehen Stunden.

 

Konkret muss man – auch beim Intervallfasten – für mindestens 14 bis 17 Stunden am Stück konsequent ohne Nahrung auskommen, bis der Prozess der Autophagie und Zellverjüngung in Gang gesetzt wird. Vollständig abgeschlossen ist die Autophagie Wissenschaftlern zufolge allerdings erst nach rund 72 Stunden – weswegen das Intervallfasten (egal ob 16:8 oder 5:2) zwar hinsichtlich einer effektiven Entgiftung des Körpers und des Abnehmens, weniger aber zur Zellverjüngung Sinn macht. Diesbezüglich wäre eine strenge Fastenwoche dem komfortableren Intervallfasten also vorzuziehen.

 

Methodik


Die wirksamste Methode, um die Verjüngung der Zellen zu unterstützen, ist das Fasten – wenn nicht als strenge Fastenkur, dann zumindest als Intervallfasten im Rhythmus 16:8. Darüber hinaus können bestimmte Faktoren der individuellen Lebensweise den Effekt der Zellreinigung zusätzlich stimulieren und zu mehr Vitalität und einer besseren Zellgesundheit beitragen.

 

 

Dazu zählt eine konsequent kalorienreduzierte aber gleichzeitig ausgewogene Ernährung, regelmäßiger Ausdauer- und Kraftsport, schwarzer Kaffee sowie Lebensmittel mit einem hohen Spermidingehalt, wie Weizenkeime, grüner Pfeffer, Grapefruit, Pilze, Amarant, Äpfel, Blumenkohl und Brokkoli. Zudem wirken Spargel, Grünkohl, Zitrusfrüchte, Ingwer und Grüntee nachweislich entgiftend und sollten auch außerhalb von Fastenperioden regelmäßig in die Ernährung integriert werden.

 

Spermidin ist eine Substanz, die eine erstaunliche Wirkung auf die Langlebigkeit von Organismen hat. Grazer Wissenschaftler rund um Prof. Frank Madeo haben mit dieser Entdeckung weltweit eine Welle von Anti-Aging Studien ausgelöst. Spermidin kommt in allen lebenden Organismen vor und spielt eine sehr wichtige Rolle beim Zellwachstum.

 

Die Konzentration an körpereigenem Spermidin nimmt mit zunehmendem Alter ab, so beginnt die Verringerung in der menschlichen Haut mit etwa 30 Jahren. Gesunde Hundertjährige haben eine auffallend hohe Konzentration von Spermidin im Blut. Es regeneriert unser Erbgut und wirkt entzündungs- und krebshemmend.

 

Wenn man Zellen Spermidin von außen zuführt, verhalten sie sich wie beim Fasten: sie kurbeln die Autophagie kräftig an. Alternde Zellen und Organismen werden verjüngt und leben länger. Hefezellen, die in einem spermidinreichen Medium kultiviert wurden, lebten viermal und menschliche Immunzellen dreimal länger. Fruchtfliegen und Würmer, denen eine spermidinreiche Kost verabreicht wurde, hatten eine um 30 Prozent verlängerte Lebenszeit. Auch Mäuse lebten signifikant länger und zeigten weniger Alterserscheinungen – sie erhielten Spermidin mit dem Trinkwasser.

 

 

Der Vorteil dieses Kleinmoleküls ist, dass es sehr stabil ist, man kann es oral einnehmen, es kommt in allen Organen unverändert an und wird nicht von der Magensäure zerlegt. Durch seine lebensverlängernde Wirkung ist Spermidin ein großes Thema in der Anti-Aging-Forschung und auch bei der Entwicklung von Medikamenten gegen ernsthafte Krankheiten.

FAZIT


Die Aktivierung der körpereigenen Autophagie ist ein einfacher Weg, um Gesundheit zu fördern und Krankheiten vorzubeugen. In Anbetracht der Tatsache, dass Ihre Gesundheit von gut funktionierenden Zellen abhängt, ist die Behandlung der Autophagie von großer Bedeutung und kann einen wesentlichen Beitrag zur Vorbeugung von Krankheiten, einschließlich neurodegenerativer Erkrankungen und Krebs, leisten. Ohne Autophagie werden Ihre Zellen schließlich mit Toxinen und Abfallstoffen überlastet, und sobald sie anfangen zu versagen und zu sterben, wird Ihr Körper nicht in der Lage sein, diese Zellen effizient zu beseitigen.

 

Die gute Nachricht ist, dass es nicht sehr schwierig ist, selbst die Autophagie zu fördern und zu optimieren. Fasten scheint der effizienteste Weg zu sein, aber auch Bewegung und das Hinzufügen bestimmter Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungsmittel sind hilfreiche Strategien.

 

Mehr Infos zum Thema Fasten bekommst du auch in meinem Fastenblog.

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