ESSEN UND PSYCHE - WECHSELSPIEL ZWISCHEN KOPF UND BAUCH

ESSEN UND PSYCHE - WECHSELSPIEL ZWISCHEN KOPF UND BAUCH


Die Versuche, Patienten zu einer gesunden Ernährung zu motivieren, verlaufen oft frustran, weil bei der Beratung das komplexe Regelwerk, welches das Essverhalten steuert, nicht genug berücksichtigt wird.

 

Die wohl größte Gefahr für die menschliche Gesundheit geht von einer ungesunden Lebensweise und in erster Linie von einer falschen Ernährung aus. Doch obwohl hochwertige Lebensmittel in der Industriegesellschaft in ausreichender Menge – ja sogar im Überfluss – verfügbar sind und obwohl das Wissen in der Bevölkerung um die Grundregeln einer gesunden Ernährung so groß ist wie nie zuvor, nehmen ernährungsbedingte Störungen (Übergewicht) und Folgeerkrankungen (Hypertonie und Diabetes mellitus) stetig zu. Zwar antworten auf Befragen bis zu 80 Prozent der Bevölkerung, auf Gesundheit, eine gesunde Ernährung und körperliche Fitness zu achten, die Realität aber entlarvt solche Befragungsergebnisse als krasse Fehleinschätzungen des eigenen Verhaltens.

 

Damit besteht offensichtlich eine deutliche Diskrepanz zwischen dem Wunsch, sich gesund zu ernähren, und dem tatsächlichen Essverhalten; wir essen zu viel, zu fett und zu süß. Das Essverhalten wird dabei aber keineswegs primär vom Hunger bestimmt. Es handelt sich vielmehr um ein komplexes Geschehen, das von sozialen, aber auch von psychischen Faktoren gesteuert wird.

 

Erziehung, Gewohnheiten und Traditionen spielen eine Rolle, aber auch das eigene psychische Befinden. Das Essverhalten ist Teil unseres Sozialverhaltens. Gemeinsam essen stellt Nähe her, schafft Wir-Gefühl und befriedigt unser Bedürfnis nach sozialen Kontakten.

 

Eines der bedeutsamsten Gesundheitsprobleme dürfte dabei das Übergewicht sein. So bringen den statistischen Erhebungen zufolge 20 bis 50 Prozent der Deutschen zu viele Kilos auf die Waage, nahezu jeder Sechste ist adipös. Viel wird nach Ursachen geforscht, um die Ursachen der Überernährung zu ergründen. Dabei sucht man aber oft nach zu kurzfristigen Signalen, wie Hunger, Appetit und Sättigung.

 

Es gehört viel mehr dazu. Es kommt auf mehr Faktoren an, die man in der klassischen Diätlehre nicht berücksichtigt. Dazu gehören Phänomene, wie den Grad der Magendehnung über Hormone, die vom Gastrointestinaltrakt gebildet werden, wie Insulin und Glucagon bis hin zu Botenstoffen wie dem Leptin, einem offensichtlich adipostatischen Signal, das vom Fettgewebe sezerniert wird und die Nahrungsaufnahme drosselt. Bei Adipösen wird offensichtlich dieses Leptinsignal nicht mehr richtig verstanden, es bildet sich eine Leptinresistenz. Gerade das Feld der Hormone ist immer noch unterrepräsentiert. 

Essen ist nicht nur Sättigung, sondern auch Genuss!


Nur in den wenigsten Fällen dürften es tatsächlich die Gene eines Individuums sein, denen die „Schuld“ am Übergewicht zuzuweisen ist. Viel bedeutsamer sind erworbene Regelmechanismen und diese bauen sich schon von den ersten Lebenstagen an auf. Denn Essen ist nicht nur die Befriedigung von Hunger, sondern zugleich auch Genuss, und das Essverhalten, das schließlich an der Mutterbrust beginnt, ist immer eingebettet in einen sozialen und in einen emotionalen Bezug.

 

Die Grundsteine des Ernährungsverhaltens liegen damit in der frühesten Kindheit, und sie werden durch eine zutiefst menschliche Fähigkeit, nämlich die Fähigkeit zu lernen, beeinflusst. Drei Prozesse dabei eine zentrale Rolle:

 

  • Dadurch, dass Menschen immer wieder etwas essen oder ausprobieren, gewöhnen sie sich langsam an einen Geschmack und lernen, ihn zu lieben.
  • Durch Eltern, Geschwister und Gleichaltrige, bei denen Speisen und Getränke Anerkennung oder Missachtung finden, wird eine soziale Komponente vermittelt.
  • Physiologische Konsequenzen der Nahrungsaufnahme verändern Erwartungen und damit auch Präferenzen oder Aversionen gegen bestimmte Nahrungsmittel und Geschmäcker. 

Eng sind die Beziehungen zwischen dem Essverhalten und dem psychischen Befinden. Menschen essen, um zu feiern, um sich zu belohnen, um sich zu entspannen oder um sich zu trösten. Derartige emotionale Ausdrucksformen gehören zu einem normalen Essverhalten dazu, problematisch aber werden sie, wenn Menschen in Bezug auf einzelne dieser Funktionen nicht mehr über Handlungsalternativen zum Essen verfügen. Dann nämlich ist eine übersteigerte Nahrungsaufnahme (zum Beispiel, um sich zu trösten) programmiert, und dem Übergewicht wird der Weg geebnet.

 

Besonders komplex sind die Zusammenhänge zwischen Stress und Essverhalten, zu den physiologischen Reaktionen auf Stress gehört eine Drosselung aller mit der Verdauung und der Nahrungsaufnahme in Zusammenhang stehenden Prozesse und damit auch eine ausgeprägte Minderung des Appetits, ein Phänomen, das im Volksmund gut bekannt ist (etwas schlägt auf den Magen). Aufgrund von Lernprozessen reagieren nicht wenige Erwachsene heutzutage aber genau umgekehrt, in Stresssituationen wird vermehrt Appetit gespürt und auch vermehrt gegessen, ebenfalls ein Phänomen, das auf Dauer Übergewicht provoziert. 

Stress hemmt kognitive Kontrolle des Essverhaltens


Eine solche Reaktionsweise findet sich vor allem bei „gezügelten Essern“, also bei Menschen, die langfristig versuchen, ihre Nahrungsaufnahme bewusst einzuschränken, um abzunehmen oder um wenigstens nicht zuzunehmen. Beim gezügelten Esser kann das System der kognitiven Kontrolle des Essverhaltens durch Stress gehemmt und außer Kraft gesetzt werden. Infolge eines solchen Kontrollverlustes kommt es in Belastungssituationen dann im Vergleich zu der sonst praktizierten Einschränkung der Nahrungsaufnahme zu einer kompensatorisch erhöhten Nahrungszufuhr.

 

Ein Schlüssel gegen das Übergewicht liegt damit automatisch in der Prävention, die im Idealfall bereits im Kindesalter anzusetzen hat. Dann nämlich werden zentrale Geschmacksvorlieben gebahnt, das Kost- und Ernährungsverhalten, der spätere Konsum- und Lebensstil wird geprägt. Von zentraler Bedeutung in dieser Zeit ist die Verfügbarkeit von Lebensmitteln. Kinder lernen zu essen und zu mögen, was sie kennen, also das, was in der Umgebung häufig verfügbar ist. Statt Fleisch und Wurst sollte deshalb regelmäßig Obst und Gemüse angeboten werden, da diese Nahrungsmittel dann auch im späteren Leben eher gewählt werden. 

Auf die natürlichen Instinkte der Kinder vertrauen


Von ausschlaggebender Bedeutung aber ist aber auch ein weiterer Punkt: Es muss angestrebt werden, die natürliche Wahrnehmung von Hunger und Sättigung zu erhalten und zu stärken. Statt der üblichen Aufforderung an die Kinder, mehr zu essen oder gar den Teller leer zu essen, sollte man im Alltag bei der Erziehung mehr auf die natürlichen Instinkte und die physiologische Regulation vertrauen und Kinder nicht zur Nahrungsaufnahme motivieren.

 

Das Auffordern zum Essen verringert bei den Kindern das Gespür für das Sattsein, weil die elterliche Zuwendung und Autorität in diesem Moment als wichtiger empfunden wird als die eigene Sättigung. Schon durch solch einfache, aber wiederholte Signale kann, möglicherweise bei entsprechender genetischer Prädisposition, ein wesentlicher Grundstein für die spätere Entwicklung einer Adipositas gelegt werden. 

Die 360° Health Lab Methode


Es zeigt sich immer mehr, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem eigenen heutigen Essverhalten, der kindlichen Prägung und weiteren Lebensfaktoren gibt, die uns essen lassen ohne dabei auch nur einen Funken Hunger zu spüren. Der Zusammenhang zwischen dem eignen Charakter, den eigenen persönlichen intrinsischen Motivationsfaktoren und dem eignen emotionales Essverhalten geben den Schlüssel  zu einem Ansatz, der einen großen Wandel in der Ernährungsbertaung und Ernährungslehre aufzeigt.

 

Die 360° Health Lab Methode macht genau dies, nämlich eine 360° Betrachtung des einzelnen Manschens mit seinen persönlichen Motivationsfaktoren, den persönlichen Eigenschaften und dem psychologischen Profil. Aus diesen Faktoren lässt sich endlich die These beantworten: du bisst nicht was du isst, sondern du bist was du isst.

 

Psychologische Probleme äußern sich, ausgelöst durch die dazu passenden Emotionen, in emotionalem Essen, welches durch viele Menschen auf Dauer als belastend wahrgenommen wird. Diese Belastung und die oftmals damit verbundenen seelischen Qualen, lassen sich nicht mit einem Diätprogramm lösen, sondern nur mit einer ganzheitlichen Betrachtung von Ernährung und Psychologie. Und genau das tut die 360° Health Lab Methode.

 

Die dazu passende Studie beginnt dazu im Juni 2020. Um eine großflächige Datenmenge zu erheben, werden wird ein EE- Study (Emotional Eating Studie) in Form einer Onlineumfrage erhoben. Mit 104 Fragen zum Thema Essen, Psychologie und Selbstwahrnehmung sollen Daten über die oben genannten Zusammenhänge erfasst werden.

 

Eine Teilnahme an der Umfrage ist online unter dem folgenden Link möglich:

Die 360° Health Lab Praxis


360° wären nicht 360°, wenn sich neben der allgemeinen Forschung zum Thema Ernährung & Psychologie nicht auch eine direkte Beratung für Betroffene im 1:1 und in der Gruppe anschließen würde. In der 360° Health Lab Praxis, die im Juni 2020 in Hamburg ihr Türen öffnet, wird genau dies angeboten. Die Methode dient dann als Grundlage für eine Ernährungsbertaung oder auch psychologische Beratung. Die Auswertung der ermittelten Studienergebnisse werden individuell pro Patient ausgewertet und eine weitere Beratung, ein Ernährungs-Coaching oder eine Therapie genau drauf angepasst. Im 360° Health Lab Ansatz geht alles über den Individualismus! Hier wird der Patient im Ganzen betrachtet und auch ganzheitlich unterstützt.

 

Dieser neue Ansatz ist etwas, was es in dieser Form noch nicht gegeben hat und verspricht die Ernährungs- und Gesundheitsberatung zu revolutionieren.

 

Termine für diese Beratung können direkt auf der Homepage www.360health-lab. Die gebucht werden. Dort  gibt es auch weitere Informationen zum Angebot. Die Praxis verfügt darüber hinaus auch über offene Ernährungssprechstunden.

 

Erreichbarkeit der Praxis


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